Rede des SKGD-Vorsitzenden, Rafał Bartek, bei der SKGD-Jahresversammlung, 23.05.2026

Rede des SKGD-Vorsitzenden, Rafał Bartek, bei der SKGD-Jahresversammlung, 23.05.2026

  • 23 Mai Off

23-05-2026

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Delegierte,

heute fassen wir nun das Jahr 2025 zusammen. Wie sie der Präsentation entnehmen können war es ein durchaus aktives Jahr. Es war auch das Jahr, in dem wir unser 35-jähriges Bestehensjubiläum gefeiert haben. 35 Jahre sind schon ein langer Weg, mit vielen Wegbegleitern aber auch mit vielen Akzenten, die wir als Gesellschaft in dieser Zeit setzen konnten. Letztes Jahr kamen dann auch einige neue dazu:

  1. Es gab die Jubiläumsgala im Oktober in Gogolin mit Beteiligung des Beauftragten der Bundesregierung Bernd Fabritius und des Botschafters Miguel Berger
  2. Es gab eine Wanderausstellung über die 35 Jahre des SKGD die in ausgewählten Orten der Woiwodschaft gezeigt wurde. Dieses Jahr wollen wir die Reise fortsetzen
  3. Wir haben die Medien der deutschen Minderheit umgebaut und sind mit dem Neuen Wochenblatt in eine neue Ära eingetreten
  4. Die Produktion von Schlesien Journal wurde von TVP Opole übernommen
  5. Wir haben 10 Jahre des Projektes Miro Deutsche Fuβballschule gefeiert
  6. Wir haben an die Opfer der Tragödie der deutschen im Osten (Oberschlesische Tragödie) die sich zum 80 Mal jährte gedacht. Es gab eine Zentralveranstaltung in Lamsdorf sowie Resolutionen in den Sejmiks der Woiwodschaft Oppeln, Schlesien sowie in Sejm und Senat
  7. Zum ersten Mal haben wir den SKGD Kongress veranstaltet und in diesem Jahr gab es nun die zweite Auflage
  8. Die bewährten Projekte haben wir fortgesetzt – Wettbewerbe, Märchennächte, Maibäume, Herbstfeste usw.
  9. Zum 22 Mal veranstalteten wir die deutschen Kulturtage
  10. Wir haben das Festival OpolLouder in Zyrowa unterstützt, das zum ersten Mal ausgerichtet wurde, bei dem die Gruppe Fäaschtbänkler als Star des Abends auftrat
  11. Die Kindefreizeiten und die Fußball Camps wurden erfolgreich durchgeführt
  12. Kreiskonzerte fanden statt
  1. Das Adventskonzert wurde von TVP Opole übertragen
  2. Hunderte von Projekten wurden im Rahmen der Begegnungsstättenarbeit umgesetzt
  3. Samstagskurse, Deutsch AGs, Kinderklubs fanden statt

Wie sie dieser Auflistung aber vor allem den Bildern entnehmen können war es ein aktives Jahr. Dazu kamen die politischen Veränderungen Anfang 2025 in Deutschland, wo eine neue Regierungskoalition entstand, die die deutschen Minderheiten in Ihrem Koalitionsvertrag gleich erwähnte. Wir sehen aber gleichzeitig wie viel sich rund um ums verändert, wie sehr wie uns selbst verändern. Leider gehört nicht immer zu den Prioritäten das Erlernen der deutschen Sprache durch die Kinder. Zu sehr und zu schnell werden unsere deutschen Wurzeln aber auch unsere schlesischen Werte vergessen.

Die Welt konzentriert sich sehr auf das, was uns vereinheitlicht und dabei wird vergessen, dass das, was uns als Menschen ausmacht, ist vor allem das regionale, das lokale. Dieses regionale kommt aber nicht von irgendwo, sondern gerade von dem, was wir zu Hause mitbekommen haben, was unsere Opas und Omas uns weitergegeben haben. In Schlesien gehörte immer dazu der Glaube auch die Sprache, die Kultur, die Pflege der Tradition. Es ist heute schwieriger geworden, dieses zu pflegen, denn von außen, auch von der Politik in Polen, kommt wenig Unterstützung.

Wir hatten im vergangenen Jahr mehrere Gespräche mit Politikern des Innenministeriums aber auch mit Politikern des Bildungsministeriums und es hat sich kaum etwas verändert. Die einzige Änderung, die wir erreichen konnten, war die Veränderung bezüglich des Sprachenlernens in der 7. und 8. Klasse der Grundschule aber die ist bei Weitem unzureichend, wenn wir uns die Problematik des Erlernens der Sprache im Ganzen anschauen. Wir hatten Hoffnung, dass gerade nach der politischen Wende in Polen die bilateralen Gespräche zwischen Polen und Deutschland an Bedeutung aber auch an Dynamik gewinnen werden. Schließlich wurde sogar der deutsch-polnische Runder Tisch sogar in dem sogenannten Aktionsplan der beiden Regierungen von 2. Juli 2024 erwähnt. Heute, kurz vor dem 35 jährigen Jubiläum des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, dessen Jubiläum am 17 Juni begangen wird, sehen wir jedoch, dass da nichts passiert.

Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland sind unsichtbar geworden. Sie bestehen zwar weiterhin, aber die wurden versteckt, damit sie bloß keiner entdeckt. Gleichzeitig steigt mal wieder die antideutsche Stimmung in Polen. Es gibt Proteste in Warschau bei denen deutsche Musik gespielt wird, ein Deutscher zu sein wurde wieder zum Schimpfwort und das alles geschieht ohne klare Reaktion seitens der Regierung. Es gab einen Beauftragten für deutsch-polnische Beziehungen auf beiden Seiten. In Polen gibt es den aber nicht mehr, nachdem prof. Ruchniewicz abberufen wurde.  Es gab am Innenministerium einen Posten für die Vorbereitungen zum deutsch-polnischen Runden Tisch, aber diese Stelle gibt es auch nicht mehr nachdem Herr Siemoniak nicht mehr Innenminister ist.

Wir sehen also, dass der Schein trügen kann, dass alles jetzt besser geworden ist in den deutsch-polnischen Beziehungen. Es ist leider nur stiller geworden und vergessen wir nicht, dass die Stille, der Stillstand unser großer Gegner ist, denn die Zeit rennt uns davon. Die schwindenden Deutschkenntnisse der jungen Generation, das schwindende Zugehörigkeitsgefühl zu der deutschen Volksgruppe sind alles Signale die wir nicht missachten dürfen. Wir müssen uns dagegenstellen mit den Mitteln die uns zur Verfügung stehen und das sind Gespräche, Erziehung in der Familie, das sind Gespräche an der Schule und in der Gemeinde, das sind aber auch Projekte, wo wir entscheiden welche Akzente wir setzen. Und natürlich sollen wir auch nicht vergessen, dass wir durchaus Menschen um uns herum haben, die uns auf diesem Weg gerne unterstützen.

Erlauben Sie mir den Hinweis auf ein außergewöhnliches Konzert, was wir am 30. Juni im Oppelner Kochanowski Theater feiern werden, anlässlich  des 35-jährigen Jubiläum des Nachbarschaftsvertrages, wo die Schirmherrschaft vom Marschall Wlodzimierz Czarzasty übernommen wurde und zu dem auch hohe Vertreter der deutschen und der polnischen Politik kommen werden.

Nicht zu Vergessen ist auch die Tatsache, dass wir seit November letzten Jahres auch ein Minderheitensekretariat im polnischen Sejm haben und dass es nach wie vor den Berater des Sejmmarschalls für nationale und ethnische Minderheiten gibt, und dass diese Funktion von unseren früheren Abgeordneten Ryszard Galla ausgeübt wird. Machen wir also das Beste draus – bleiben wir sichtbar und aktiv!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen DFKs, bei den Vorsitzenden, bei den Bürgermeistern, Landräten, der Marschallin, die sie unterstützen und bei jedem der einen Beitrag zum Erhalt de deutschen Identität beigetragen haben, bedanken. Ganz besonders möchte ich mich an dieser Stelle bei den Mitarbeitern der SKGD Geschäftsstelle bedanken.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal auch bei allen Unterstützern bedanken. Es sind viele und ich möchte sie hier jetzt nicht alle aufzählen, damit ich jemanden nicht vergesse. Ich möchte aber unterstreichen, dass jeder wichtig ist, denn jeder leistet einen Beitrag zu etwas, was sonst vielleicht verloren gehen würde.  

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit

Rafał Bartek

 

Kandrzin-Cosel, den 23. Mai 2026

   

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