{"id":28353,"date":"2022-02-07T16:17:12","date_gmt":"2022-02-07T15:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/skgd.pl\/?p=28353"},"modified":"2022-02-22T14:44:59","modified_gmt":"2022-02-22T13:44:59","slug":"stanowisko-zarzadu-znssk-w-polsce-wobec-prawnej-dyskryminacji-mniejszosci-niemieckiej","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skgd.pl\/de\/stanowisko-zarzadu-znssk-w-polsce-wobec-prawnej-dyskryminacji-mniejszosci-niemieckiej\/","title":{"rendered":"Stellungnahme des VdG angesichts der gesetzlichen Diskriminierung der Deutschen Minderheit"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Vorstand des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen verurteilt hiermit lautstark und entschieden die Einf\u00fchrung der Diskriminierung der deutschen Minderheit und die Stigmatisierung von Kindern, die Deutsch als nationale Minderheitensprache lernen, in das polnische Rechtssystem, die nationale und ethnische Minderheitenpolitik und das Bildungsrecht in Polen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erfolgt ist diese Diskriminierung letztendlich am 4. Februar 2022, als der polnische Minister f\u00fcr Bildung und Wissenschaft Przemys\u0142aw Czarnek die Verordnung zur \u00c4nderung der &#8220;Verordnung \u00fcber die Bedingungen und die Art und Weise, wie Kinderg\u00e4rten, Schulen und \u00f6ffentliche Einrichtungen die Aufgaben erf\u00fcllen, die der Erhaltung der nationalen, ethnischen und sprachlichen Identit\u00e4t von Sch\u00fclern dienen, die nationalen und ethnischen Minderheiten und Gemeinschaften angeh\u00f6ren, und die eine Regionalsprache sprechen&#8221; ver\u00f6ffentlichte. Die Ver\u00e4nderung, die zweifellos als historisch in der Geschichte der Republik Polen bezeichnet werden kann, ist in einem einfachen Satz enthalten: &#8220;In Paragraf 8 Absatz 3 werden nach den Worten \u2019im Umfang von 3&nbsp;Wochenstunden\u2019 die Worte \u2019und bei Sch\u00fclern, die der deutschen Minderheit angeh\u00f6ren, 1 Wochenstunde\u2019 eingef\u00fcgt&#8221;. Mit diesem Satz wurde die Aufteilung von Sch\u00fclern, die nationalen Minderheiten angeh\u00f6ren, in zwei Kategorien auf der Grundlage ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wird eine der in Polen anerkannten nationalen und ethnischen Minderheiten einer besonderen Diskriminierung ausgesetzt. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass die Einf\u00fchrung doppelter Standards f\u00fcr verschiedene Gruppen in einer \u00e4hnlichen Situation im Widerspruch zu Artikel 1 der &#8220;Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte&#8221; steht, in dem es hei\u00dft: &#8220;Alle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren&#8221; und Artikel 32 der polnischen Verfassung, der besagt, dass &#8220;1. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Jede Person hat das Recht auf Gleichbehandlung durch die \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden. 2. Niemand darf im politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Leben diskriminiert werden, aus welchem Grund auch immer.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zwei Jahren feierten wir den 15. Jahrestag des &#8220;Gesetzes \u00fcber nationale und ethnische Minderheiten&#8221;. Darin lesen wir: &#8220;Artikel 6.1. Die Diskriminierung aufgrund der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Minderheit ist verboten. 2) Die Beh\u00f6rden sind verpflichtet, geeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, damit: 1. Die volle und tats\u00e4chliche Gleichstellung von Angeh\u00f6rigen einer Minderheit und Angeh\u00f6rigen der Mehrheit im wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Leben gef\u00f6rdert wird; 2. Personen gesch\u00fctzt werden, die aufgrund ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Minderheit Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt ausgesetzt sind; 3. der interkulturelle Dialog gest\u00e4rkt wird.&#8221; Es ist unschwer zu bemerken, dass die am 4. Februar 2022 erlassene Verordnung auch im Widerspruch zu diesem Rechtsakt steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der jetzigen Entscheidung ging die Tatsache voraus, dass das polnische Parlament am 17.12.2021 bei der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes f\u00fcr das Jahr 2022 gleichzeitig eine \u00c4nderung verabschiedete, die eine erhebliche K\u00fcrzung der f\u00fcr den Unterricht in den Sprachen der nationalen und ethnischen Minderheiten bereitgestellten Mittel im Bildungsbereich des allgemeinen Zuschusses f\u00fcr lokale Regierungseinheiten vorsah. Gegen diese Entscheidung, die die Kommunalverwaltungen, die Lehrer, aber vor allem die Bildung der J\u00fcngsten trifft, bezog der Ombudsmann klare Stellung: &#8220;Als Ombudsmann kann ich damit nicht zustimmen, dass die K\u00fcrzung von Ausgaben auf Kosten von Gemeinschaften oder Gruppen erfolgen sollte, die in verschiedenen Bereichen des sozialen oder kulturellen Lebens ohnehin oft an den Rand gedr\u00e4ngt werden und denen die staatlichen Institutionen besonders verpflichtet sind&#8221;. Auch Vertreter der deutschen und anderer Minderheiten, Experten, Akademiker, Gesch\u00e4ftsleute, Lehrer und Vertreter der Polonia in Deutschland sprachen sich gegen diese Ma\u00dfnahme aus. Petitionen dagegen wurden von rund 10.000 Wissenschaftlern, Unternehmern und Eltern unterzeichnet. Auch der polnische Senat, der die Rechte von Minderheiten als Verfassungsgut anerkennt, schlug eine weitere \u00c4nderung vor, die die reduzierte Subvention wiederherstellt. Trotz zahlreicher Gegenstimmen wurde die \u00c4nderung schlie\u00dflich am 27. Januar 2022 abgelehnt und die Mittel f\u00fcr den Unterricht der Minderheitensprachen erheblich gek\u00fcrzt. Es fiel uns jedoch schwer zu glauben, dass es vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren nach der Errichtung des demokratischen Systems m\u00f6glich ist, eine so eklatante Diskriminierung der eigenen B\u00fcrger und in diesem Fall der Kinder aufgrund ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit in das Rechtssystem aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rhetorik, die die oben genannten Ma\u00dfnahmen begleitet, verst\u00e4rkt die negative \u00f6ffentliche Stimmung gegen\u00fcber nationalen und ethnischen Minderheiten, und insbesondere gegen\u00fcber der deutschen Minderheit. Angesichts der ung\u00fcnstigen Atmosph\u00e4re, die Minderheiten umgibt, und der Tatsache, dass die Diskriminierung polnischer Staatsb\u00fcrger deutscher Nationalit\u00e4t rechtlich sanktioniert wird, fordern wir die Regierung der Republik Polen und insbesondere Minister Przemys\u0142aw Czarnek, Professor der Katholischen Universit\u00e4t Lublin dazu auf, auf die Worte einer gro\u00dfen Autorit\u00e4t zu h\u00f6ren, die mit seiner Alma Mater verbunden ist, des heiligen Johannes Paul II, der in seiner Botschaft zum XXII Weltfriedenstag \u201eUm Frieden zu schaffen, Minderheiten achten\u201d vom Jahr 1989 schrieb: &#8220;Wenn die Kirche von Diskriminierung im Allgemeinen oder von spezifischer Diskriminierung spricht, die Minderheitengruppen schadet, wendet sie sich in erster Linie an ihre eigenen Mitglieder, unabh\u00e4ngig von deren Stellung oder Verantwortung in einer bestimmten Gesellschaft. So wie es in der Kirche keine Diskriminierung geben darf, kann auch kein Christ wissentlich Strukturen oder Haltungen f\u00f6rdern oder unterst\u00fctzen, die Menschen von anderen Menschen oder Gruppen von anderen Gruppen trennen&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Als B\u00fcrger der Republik Polen, die mit ihren Steuern zum Staatshaushalt beitragen und die die gleichen Rechte und Pflichten haben wie andere B\u00fcrger, sowohl diejenigen, die der Mehrheit angeh\u00f6ren, als auch diejenigen, die nationalen und ethnischen Minderheiten angeh\u00f6ren, und die von der Richtigkeit ihrer Emp\u00f6rung \u00fcber die uns auferlegte Diskriminierung \u00fcberzeugt sind, erwarten wir, dass die \u00c4nderung vom 4. Februar 2022 aus dem Rechtsverkehr gezogen wird. Wir teilen Ihnen mit, dass wir uns durch die Entscheidungen der Beh\u00f6rden berechtigt und gezwungen sehen, alle verf\u00fcgbaren rechtlichen, medialen und gesellschaftlichen Mittel im In- und Ausland einzusetzen, um die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung gegen\u00fcber uns wiederherzustellen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wir fordern auch die europ\u00e4ischen Institutionen und die Regierungen der Mitgliedsstaaten des Europarates, die OSZE, die Europ\u00e4ische Union und insbesondere die deutsche Bundesregierung auf, in den internationalen und bilateralen Beziehungen m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die europ\u00e4ischen Werte zu verteidigen, die durch die oben genannten Beschl\u00fcsse des Sejm und der polnischen Regierung verletzt werden. Jeder muss auch mit gr\u00f6\u00dferer Entschlossenheit fordern, dass die Republik Polen die Verpflichtungen, die sich aus der ratifizierten Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ergeben, in vollem Umfang erf\u00fcllt, da ihre Bestimmungen wirksam vor den Situationen sch\u00fctzen, die wir gerade erleben.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lassen uns auch von den Worten des Unterzeichners, Bernard Gaida leiten, die er bei den diesj\u00e4hrigen Gedenkveranstaltungen in Gleiwitz, Schwientochlowitz und Lamsdorf, zur Erinnerung an die Nachkriegstrag\u00f6die der unschuldigen schlesischen Zivilbev\u00f6lkerung sprach: &#8220;Die Diskriminierung, vor der wir heute die Augen verschlie\u00dfen, wird nur noch zunehmen&#8221;.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bernard Gaida<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorsitzender des Vorstands des VdG in Polen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oppeln, den 7. Februar 2022<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vorstand des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen verurteilt hiermit lautstark und entschieden die Einf\u00fchrung der Diskriminierung der deutschen Minderheit und die Stigmatisierung von Kindern, die Deutsch als nationale Minderheitensprache lernen, in das polnische Rechtssystem, die nationale und ethnische Minderheitenpolitik und das Bildungsrecht in Polen. Erfolgt ist diese Diskriminierung letztendlich am 4. 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